Menstruation – Es läuft wieder…

Endlich komme ich mal wieder dazu hier zu schreiben. Die letzten Monate waren so voll, das mein blutiges Engagement etwas kürzer kam, dafür sind jetzt wieder zwei Beiträge zum Thema Menstruation erschienen, in denen ich meine Einschätzungen zu Kosten der Menstruation, der Forderung die „Tamponsteuer“ zu senken und das „Red Tent Movement“ einordne.
Ich will diesen Schwung nutzen und noch einmal darauf verweisen, dass zu diesem Thema längst noch nicht alles gesagt ist und was die Perzeption der Menstruation angeht, längst noch nicht alles erreicht ist.
Es muss sich noch einiges tun, politisch wie gesellschaftlich, um endlich sagen zu können: Die Menstruation ist normal.

Was die Besteuerung angeht, so halte ich es für gut möglich, dass mit ein bisschen mehr Druck und Aufklärung in den nächsten Jahren die Senkung ein realistisches Ziel ist. Darüber hinaus sollten öffentliche Einrichtungen, Unternehmen usw. diese kostenlos zur Verfügung stellen.
– Let’s Make Some Noise!

Soviel zur Realpolitik. Jetzt zur Kritik. Was hat es mit dem „Red Tent (Temple) Movement“ auf sich? Das Zelt ist rot, es duftet nach Patchouli, es soll ein Raum sein für Frauen, ein Sitzkreis, Austausch, einmal im Monat zum gemeinsamen menstruieren. Mal abgesehen das ich mich frage, wie das funktionieren soll mit unregelmäßigen, nicht gleichzeitigen Zyklen, stellen sich zu diesem Happening noch ein paar andere Fragen. In England gibt es über 150 bei der Red Tent Direction angemeldete Zeltgruppen, in Deutschland sind es mittlerweile schon 8 registrierte Zelte.
Das rote Zelt wird auch als Mondhütte bezeichnet, was die Nähe an den Mythos die Periode sei abhängig vom Mondverlauf andeutet. Doch wo kommen diese Zelte, die gerade beispielsweise über deutsche Festivals tourten eigentlich her? In vielen Kulturen dienten die Zelte früher zum Rückzug, weil Menstruierende nicht am Leben der anderen teilhaben durften. Die Blutung wurde mit bösen Geistern, Unreinheit und Unglück assoziiert. Das Zelt nimmt hier die Rolle eines Verstecks bzw. einer Unsichtbarmachung durch räumliche Trennung und die Blickdichte ein. Ein Verbannungsort.
Ein patriarchales Instrument der Ausgrenzung und Demonstration der Befremdung gegenüber dem als weiblich assoziierten Bluten. Von diesem Zwangscharakter und den teils immer noch vorkommenden Zeltpraxis in Mali und Westafrika haben sich die Zelte, der sich als feministisch auftretenden Werbeagentur Goals Girls auf den Festivalwiesen Deutschlands entkoppelt. Sie kommen etwas peppiger daher, als die esoterisch angehauchte Version aus Englnd. Es  gibt rote Cocktails, Buttons, Aufkleber und es geht um die  Vermarktung unter dem Slogan Period Positivity ( lesenswerte Kritik in der Analyse & Kritik 641 von Bahar Sheikh). Aufgeklärt wird über die Forderung die Tamponsteuer zu senken, und werben für Rücksicht im Job. Dabei scheint man zu vergessen das ein Großteil jener, die man da adressieren müsste, nämlich Männer in Führungspositionen sind.  Diese werden sich in die Zelte wohl eher kaum verirren, auch wenn das Angebot sich den Bart in Solidarität rot zu färben sicher verlockend ist. Bei der FAZ gefragt, wo die Zeltidee herkommt, spricht Kaddie Rothe von ihr nicht näher bestimmten „Ureinwohnern“ bei denen man die Menstruation in Gemeinschaft erlebt habe und die Menarche gefeiert wurde, so genau nimmt man es also nicht mit den kulturellen Anleihen und den tatsächlichen Umständen. Hauptsache die Message ist positiv und die Produktpalette erweitert sich.

Klar ist das trotz dem Spiel mit der Regressivität, die Menstruation durch diese Zelte auf Festivals ironischerweise Sichtbarkeit erfährt.  Ob man jedoch mit ein paar roten Effekten und halbgaren Informationen die Aufklärung vorantreibt sei dahingestellt, genauso ob man sich ein gutes Körpergefühl kaufen kann. Das Zelt mag nicht mehr zur Tabuisierung beitragen, aber es verblendet die Sicht auf nichtkommerzialisierbare feministische Forderungen rund um den Körper, die Menstruation und Gesundheit. Es bleibt ein rotes Tuch.

Heute gehe ich außerdem zu der Veranstaltung“ Shedding the leaves – it’s bloody time now!“des Menstrual Health Hub.
Ich halte euch auf dem Laufenden

 

Menstruationsrevolution bei Frau TV

Morgen um 22.10 Uhr bin ich bei Frau TV zu sehn!
Das Thema, wie ihr euch vielleicht schon denken könnt, ist „Menstruationsrevolution“.
Gerade bei den letzten Interviews und in den Reaktionen darauf, wurde mir nochmal bewusst, wie krass schambehaftet Menstruation im öffentlichen Diskurs noch ist, vielmehr noch eine nicht binäre Geschlechterordnung.

Realitycheck
Ein kleiner Realitycheck wenn man so will, wie fucking konservativ dieses Land immernoch ist! Offensichtlich muss ich froh sein und bin es gewissermaßen auch überhaupt die Chance bekommen zu haben im Fernsehen über das Thema zu sprechen, wenn auch sehr einfach und verkürzt.
Bei allen bisherigen Interviews wurde ich gefragt warum darüber noch gesprochen werden muss. nach allem was ich 13906993_10208147948589680_4601797948754233976_nerlebt habe, kann ich nur sagen: Warum sollte man aufhören, darüber zu sprechen?
Es ist ein wichtiger Teil des körperlichen Bewusstseinsprozesses und der Aufklärung, weiter und mehr noch, über das Thema Menstruation zu sprechen. Welche Mythen sie umgeben und welche Auswirkungen die Stigmatisierung der monatlichen Blutung hat. Die Menstruationsrevolution hat sich also vielleicht angekündigt, jetzt muss sie noch vollzogen werden.

Menstruation Q&A

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1.Was hat mich dazu motiviert, mich mit dem Thema Menstruation auseinanderzusetzen?

Ich hatte mir eine Zyklustrackingapp runtergeladen und bekam dadurch nochmal ein ganz neues Bewusstsein für meinen Zyklus.
Dabei machte ich spannende Entdeckungen. An meinen fruchtbaren Tagen bemerkte ich, das ich sehr viel mitteilsamer war, auch im Internet.
Man kann also zu einem gewissen Grad mein Twitterverhalten durch meinen Zyklusverlauf erklären.
Ungefähr zur gleichen Zeit tauchte das Thema Menstruation vermehrt auf Social Media Kanälen auf. Ich begann diese Entwicklungen mit Interesse und Faszination zu beobachten und mich ausführlicher mit Menstruation und ihrer historischen Rezeption auseinanderzusetzen. Gleichzeitg wollte ich wissen welche Rolle das Netz spielte und welche anderen Gründe die neue Sichtbarkeit haben könnte. Ich hielt es für wichtig all das einzufangen, in Kontext zu setzen und kritisch zu analysieren. Gesammelt habe ich alles unter dem #MenstrualePhase.

2. Was macht Menstruationsaktivismus aus? Schockiert eine blutige Unterhose nach wie vor?

Leider provoziert so eine blutige Unterhose immernoch, mitunter deswegen ist das Thema auch wieder auf dem Tisch. Es gibt aber nicht mehr ganz so krasse Widerstände.
Momentan wird Menstruation, wie auch Feminismus allgemein, popkulturell aufgegriffen. Dies liegt daran das Feminismus als Vermarktungsstrategie entdeckt wurde. Beim Thema Menstruation lässt sich das ganz gut, anhand der Menstruationstasse erkennen, welche zuerst in feministischen Foren und Räumen durch Austausch bekannter wurde und mittlerweile auf vielen Youtube Beautychanneln beworben wird. Jetzt ist sie in Drogerien erhältlich, also im Mainstream angekommen. Ähnlich wie bei dem Feminismus Slogan T-Shirt von H&M, muss man
diese feministische Vermarktung kritisch im Blick behalten. Niicht alle Forderungen lassen sich vermarkten, wie beispielsweise die Senkung der Tampon Steuer, flexible Arbeitszeiten für Menschen die stark unter Schmerzen leiden oder die fortwährende Stigmatisierung. Mit Kunst wie beispielsweise Blutflecken & Tamponbildern auf Instagram kann man ein positiven Umgang, also die sogenannte „Period Positivity“ propagieren und andere zu mehr Selbstbewusstsein ermuntern.

3. Welche Aspekte sind dir wichtig?

Grundsätzlich befürworte ich progressive Ansätze, die ohne identitätsaufgeladene Sprache auskommen und bemüht sind die Situation insofern zu verbessern, das An- oder Abwesenheit der Menstruation nicht zum Problem wird. Schlussendlich sollte man die Menstruation als sich wiederholendes Geschehniss, weder überhöhen noch naturalistisch verklären.

 

4. Welche Aspekte werden ausgeblendet?

Beeindruckend ist, ohne zu pessimistisch klingen zu wohlen, was ausgeblendet wird. Zu wenig Aufmerksamkeit bekommt das Thema in der Forschung, was wiederum auch zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Vor kurzem wurden Ergebnisse von Menstruationsschmerzmessung veröffentlicht. Dabei kamen die Forscher*innen auch auf Werte die mit einem Herzinfarkt zu vergleichen sind.
Auch die Schmerzerzeugung und welche Rolle Hormone da genau spielen ist noch nicht in voller Gänze erforscht. Ist das nicht kass? Man sollte nicht vergessen das Forschung & Medizin im Patriarchat nicht außen vor sind. So wurde erst 1958 bewiesen das Menstruationsblut nicht toxisch ist.
Mein Ziel ist es auch zu schauen wie gut die Beratung & Behandlung bei Gynäkolog*innen ist, weil ich und auch mein Umfeld damit sehr unzufrieden sind. Beispielsweise wird Schmerz relativiert, es gibt kaum Bewusstsein was Krankheiten wie Endometriose oder PCOS angeht.

5. Was ist „Free Bleeding“ für ein Phänomen?

Free Bleeding ist vor allem durch die Aktion von Kiran Gandhi, beim Londoner Marathon letztes Jahr bekannt geworden. Am Tag des Marathons bekam sie ihre Periode und fand die Vorstellung mit einem Tampon 42 Kilometer zu laufen unerträglich. Als sie im Ziel auf das Blut in ihrem Schritt angesprochen wurde, ermunterte sie zu einem entspannteren Umgang mit Periode und mehr Selbstbewusstsein.Dabei wies sie auf jene hin, welche gar keinen Zugang zu Hygieneartikeln haben.
„Free Bleeding“ ist aber abseits davon und anderen politischen Aktionen, wo Flecken öffentlich zur Provokation eingesetzt wurden, auch eine Praxis mit einer kruden Ideologie dahinter. Es gibt beispielsweise in Amerika Gruppen, die Tampons ablehnen, weil es ein (phallisches) Instrument des Patriarchats sei, welches die Frau vergewaltige. Das ist schon starker Tobak, der letztlich Vergewaltigungen verharmlost! Fraglich bleibt dabei aber auch, wie dann beispielsweise Binden gedeutet werden. Auch wiederverwenbare Stoffbinden erleben gerade ein Revival. Auf die Umwelt Rücksicht zu nehmen, ist also auch ein neueres Motiv, im Umgang mit Menstruation.

6. Ist es problematisch Menstruation und Frausein zu verknüpfen? Was für Ausschlüsse enstehen dabei?

Viele Frauen menstruieren nicht: seien es Transfrauen, Frauen, die nicht mehr menstruieren, die bestimmte Verhütungsmittel verwenden oder es gibt gesundheitliche Gründe dafür. Besteht hier die Gefahr, dass eine (biologistische) Verknüpfung von Frausein und Menstruieren (wieder)hergestellt und verfestigt wird?
Es gibt generell die Tendenz Menstruation und Frau-Sein zu verknüpfen, in der Gesamtgesellschaft genauso, wie in feministischen Diskursen. Da tauchen dann plötzlich wieder alte Bilder auf, welche die Frau mit, durch und wegen ihrer Periode, näher bei Natur und Magie verorten. Das ist also nicht nur ein Ausschließungsprozess, welcher von einer binären Geschlechterordnung ausgeht, sondern driftet auch schnell in die Esotherik ab. In Foren wird Schmerz mit Selbtshass verknüpft und es wird dazu angehalten sich selbst und den Blutfluss zu zelebrieren, dies ist nicht nur erwiesener Blödsinn, in dieser Logik verhaftet kommt man garnicht darauf das dieses Ritual indem Moment wo er identitätsstiftend verklärt wird, automatisch ausschließt.
Aber auch in der medialen Rezeption gerade, wird zweigeschlechtlich gedacht. Dabei gibt es im Netz genug Texte, Videos & Blogs die dem Wunsch eine Periode zu haben, bzw. auch diese nicht zu haben, mit praktischen Anleitungen und moralischem Support begegnet.