#Menstruationstasse

Vor wenigen Tagen ging der Hashtag #Menstruationstasse viral. Anlass war ein Tweet eines Users, welcher Bilder von Menstruationstassen mit sogenannten ‚Dickpics‘ Verglich. Völlig zurecht erntete der Beitrag harsche Kritik, denn ein Bild zu teilen um die Enttabuisierung von Hygieneprodukten mit sexueller Belästigung gleichzusetzen, relativiert Letztere. Die Userin @sternenrot reagierte mit dem Hashtag #Menstruationstasse unter dem sich alsbald Kritik, Zuspruch und Bilder blutiger Menstruationstassen sammelten.

Wer will das sehen?
Der User konstatierte in seinem Tweet aber auch das absolut niemand das sehen wollen würde. Was für ‚Dickpics‘ die nicht konsensual verschickt werden, zutreffend ist, läuft bei der Menstruationstasse ins Leere. Denn was für eine Person der befreiende Moment sein mag Stigmas abzubauen, ist für eine andere der Anlass über Scham- und Ekelgefühle zu reflektieren. Denn nur weil Menstruation die letzten Jahre in der Öffentlichkeit eine neue Sichtbarkeit erfährt, heißt das noch lange nicht das dem nicht immer noch mit Ablehnung auf unterschiedlichster Art begegnet wird. Sei es als Menstruation das Problem der anderen, welche dieses gefällig mit sich im Privaten ausmachen sollen oder mit dem Eingeständnis das man es selber gerne nicht sehen und erleben würde. Der Ekel bleibt und mit ihm die Scham. Genau diesen Gefühlen gilt es sich zu stellen, auch nach dem Hype. Der nämlich kam nicht zufällig, sondern auch durch die Vermarktung der neuen Menstruationstasse und Zyklustracking Apps. Wichtig ist das wir weiter über den Umgang mit unserem Zyklus und der Menstruation sprechen, Wissen weiterzugeben und Bewusstsein dafür zu schaffen das weder einer Unterdrückung noch eine Überhöhung der Sache dienlich ist.

Körperflüssigkeiten – Zwischen Abscheu und Anbetung
Was in der Debatte um die Sichtbarkeit von Menstruationstassen wieder offensichtlich wurde, ist das der Umgang mit Körperflüssigkeiten auf wenig Rationalität stößt und das vor allem bei Jenen die selber gar keine Menstruation haben. Da kommt es dann auch zu wenig differenzierten Vergleichen mit Fäkalien. Aber auch der Verweis darauf, dass Menstruationsblut früher als heilsam galt, ist wenig sachdienlich für den heutigen Umgang, da eine Mystifizierung, wie bei Odin wieder auf Biologismen und Naturalisierung zurückfällt.
Zuletzt scheint es auch für Viele immer noch unklar, dass es sowohl Männer gibt die Bluten und Frauen die nicht bluten. So auch der Verfasser des Tweets der die Debatte ausgelöst hatte.

Es bleibt also noch einiges zutun. Umso mehr freute mich die letzte Anfrage der Glamour etwas zum Thema Sex während der Menstruation beizusteuern. Auch hier bestimmen Ekel und Scham die Wahrnehmung anstatt etwa die entkrampfende Wirkung von Orgasmen während der Menstruation in den Mittelpunkt zu stellen.

 

 

 

Danke an @MaditaPims für die Bereitstellung des Photos und @sternenrot für den Hashtag #Menstruationstasse.

Safe Abortion Day – 218§ abschaffen!

Heute ist der Safe Abortion Day. Vor zwei Wochen lief, mittlerweile zum 13. Mal, ein christlich fundamentalistischer Zusammenschluss schweigend durch Berliner Straßen gegen Abtreibung. Der Protest, meist mit weißen Kreuzen, um an bereits abgetriebene Zellklumpen zu gedenken, ist über die Jahre sehr kreativ geworden, die Beschneidung des Selbstbestimmungsrechts der Frau zu propagieren. Konservative Vorstöße wie in Spanien, erfolgreiche Durchsetzung des Verbots in Polen und das unbeeindruckte beharren auf dem Verbot in Irland, zeigen bei dem Recht auf Schwangerschaftsabbruch handelt es sich nicht um einen zu Ende gekämpften Kampf. Ganz im Gegenteil, der Rechtsruck und Trumps Vorgehen gegen Planned Parenthood hat den selbsternannten „Lebensschützern“ Mut gemacht. Mittlerweile richten sich ihre Bestrebungen mehr gegen Ärzt*innen als Patient*innen. Der Strategiewechsel bedarf neue Ansätze und endlich die Abschaffung des §218.

Sexuelle Bildung – Female/LGBT* Health

Als ich vor 2 Jahren anfing über das Thema Menstruation zu recherchieren und zu referieren, merkte ich alsbald, dass in der feministischen Praxis sexuelle Gesundheit im weitesten Sinne wenig thematisiert wird.

Netx Level: Female/LGBT* Health
Zusammen mit Nhi Le, einer Leipziger Bloggerin und Aktivistin kamen wir schnell zu dem Entschluss anliegende Themenspektren gemeinsam feministisch zu erschließen. Das Netz ist voller sexueller Anspielungen, aber geht es um sexuelle Bildung an sich, zeigt sich einmal mehr eine Doppelmoral, mit der Tabus einhergehen. Gemeinsam beleuchteten wir wie sexuelle Aufklärung im Netz bisher thematisiert wird Erstaufklärung genauso wie Erwachsenenweiterbildung. (s. Fachartikel im ProFamilia Magazin, Video Republica Session)

Der Rahmen hat sich also über die Monate erweitert, Ziel ist und bleibt es Scham abzubauen und mithilfe des Internets zu schauen inwiefern Wissen diskriminierungs-, und barrierefreier vermittelt werden kann. Ich bzw. wir bleiben also dran.

Menstruationsrevolution bei Frau TV

Morgen um 22.10 Uhr bin ich bei Frau TV zu sehn!
Das Thema, wie ihr euch vielleicht schon denken könnt, ist „Menstruationsrevolution“.
Gerade bei den letzten Interviews und in den Reaktionen darauf, wurde mir nochmal bewusst, wie krass schambehaftet Menstruation im öffentlichen Diskurs noch ist, vielmehr noch eine nicht binäre Geschlechterordnung.

Realitycheck
Ein kleiner Realitycheck wenn man so will, wie fucking konservativ dieses Land immernoch ist! Offensichtlich muss ich froh sein und bin es gewissermaßen auch überhaupt die Chance bekommen zu haben im Fernsehen über das Thema zu sprechen, wenn auch sehr einfach und verkürzt.
Bei allen bisherigen Interviews wurde ich gefragt warum darüber noch gesprochen werden muss. nach allem was ich 13906993_10208147948589680_4601797948754233976_nerlebt habe, kann ich nur sagen: Warum sollte man aufhören, darüber zu sprechen?
Es ist ein wichtiger Teil des körperlichen Bewusstseinsprozesses und der Aufklärung, weiter und mehr noch, über das Thema Menstruation zu sprechen. Welche Mythen sie umgeben und welche Auswirkungen die Stigmatisierung der monatlichen Blutung hat. Die Menstruationsrevolution hat sich also vielleicht angekündigt, jetzt muss sie noch vollzogen werden.

Menstruation Q&A

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1.Was hat mich dazu motiviert, mich mit dem Thema Menstruation auseinanderzusetzen?

Ich hatte mir eine Zyklustrackingapp runtergeladen und bekam dadurch nochmal ein ganz neues Bewusstsein für meinen Zyklus.
Dabei machte ich spannende Entdeckungen. An meinen fruchtbaren Tagen bemerkte ich, das ich sehr viel mitteilsamer war, auch im Internet.
Man kann also zu einem gewissen Grad mein Twitterverhalten durch meinen Zyklusverlauf erklären.
Ungefähr zur gleichen Zeit tauchte das Thema Menstruation vermehrt auf Social Media Kanälen auf. Ich begann diese Entwicklungen mit Interesse und Faszination zu beobachten und mich ausführlicher mit Menstruation und ihrer historischen Rezeption auseinanderzusetzen. Gleichzeitg wollte ich wissen welche Rolle das Netz spielte und welche anderen Gründe die neue Sichtbarkeit haben könnte. Ich hielt es für wichtig all das einzufangen, in Kontext zu setzen und kritisch zu analysieren. Gesammelt habe ich alles unter dem #MenstrualePhase.

2. Was macht Menstruationsaktivismus aus? Schockiert eine blutige Unterhose nach wie vor?

Leider provoziert so eine blutige Unterhose immernoch, mitunter deswegen ist das Thema auch wieder auf dem Tisch. Es gibt aber nicht mehr ganz so krasse Widerstände.
Momentan wird Menstruation, wie auch Feminismus allgemein, popkulturell aufgegriffen. Dies liegt daran das Feminismus als Vermarktungsstrategie entdeckt wurde. Beim Thema Menstruation lässt sich das ganz gut, anhand der Menstruationstasse erkennen, welche zuerst in feministischen Foren und Räumen durch Austausch bekannter wurde und mittlerweile auf vielen Youtube Beautychanneln beworben wird. Jetzt ist sie in Drogerien erhältlich, also im Mainstream angekommen. Ähnlich wie bei dem Feminismus Slogan T-Shirt von H&M, muss man
diese feministische Vermarktung kritisch im Blick behalten. Niicht alle Forderungen lassen sich vermarkten, wie beispielsweise die Senkung der Tampon Steuer, flexible Arbeitszeiten für Menschen die stark unter Schmerzen leiden oder die fortwährende Stigmatisierung. Mit Kunst wie beispielsweise Blutflecken & Tamponbildern auf Instagram kann man ein positiven Umgang, also die sogenannte „Period Positivity“ propagieren und andere zu mehr Selbstbewusstsein ermuntern.

3. Welche Aspekte sind dir wichtig?

Grundsätzlich befürworte ich progressive Ansätze, die ohne identitätsaufgeladene Sprache auskommen und bemüht sind die Situation insofern zu verbessern, das An- oder Abwesenheit der Menstruation nicht zum Problem wird. Schlussendlich sollte man die Menstruation als sich wiederholendes Geschehniss, weder überhöhen noch naturalistisch verklären.

 

4. Welche Aspekte werden ausgeblendet?

Beeindruckend ist, ohne zu pessimistisch klingen zu wohlen, was ausgeblendet wird. Zu wenig Aufmerksamkeit bekommt das Thema in der Forschung, was wiederum auch zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Vor kurzem wurden Ergebnisse von Menstruationsschmerzmessung veröffentlicht. Dabei kamen die Forscher*innen auch auf Werte die mit einem Herzinfarkt zu vergleichen sind.
Auch die Schmerzerzeugung und welche Rolle Hormone da genau spielen ist noch nicht in voller Gänze erforscht. Ist das nicht kass? Man sollte nicht vergessen das Forschung & Medizin im Patriarchat nicht außen vor sind. So wurde erst 1958 bewiesen das Menstruationsblut nicht toxisch ist.
Mein Ziel ist es auch zu schauen wie gut die Beratung & Behandlung bei Gynäkolog*innen ist, weil ich und auch mein Umfeld damit sehr unzufrieden sind. Beispielsweise wird Schmerz relativiert, es gibt kaum Bewusstsein was Krankheiten wie Endometriose oder PCOS angeht.

5. Was ist „Free Bleeding“ für ein Phänomen?

Free Bleeding ist vor allem durch die Aktion von Kiran Gandhi, beim Londoner Marathon letztes Jahr bekannt geworden. Am Tag des Marathons bekam sie ihre Periode und fand die Vorstellung mit einem Tampon 42 Kilometer zu laufen unerträglich. Als sie im Ziel auf das Blut in ihrem Schritt angesprochen wurde, ermunterte sie zu einem entspannteren Umgang mit Periode und mehr Selbstbewusstsein.Dabei wies sie auf jene hin, welche gar keinen Zugang zu Hygieneartikeln haben.
„Free Bleeding“ ist aber abseits davon und anderen politischen Aktionen, wo Flecken öffentlich zur Provokation eingesetzt wurden, auch eine Praxis mit einer kruden Ideologie dahinter. Es gibt beispielsweise in Amerika Gruppen, die Tampons ablehnen, weil es ein (phallisches) Instrument des Patriarchats sei, welches die Frau vergewaltige. Das ist schon starker Tobak, der letztlich Vergewaltigungen verharmlost! Fraglich bleibt dabei aber auch, wie dann beispielsweise Binden gedeutet werden. Auch wiederverwenbare Stoffbinden erleben gerade ein Revival. Auf die Umwelt Rücksicht zu nehmen, ist also auch ein neueres Motiv, im Umgang mit Menstruation.

6. Ist es problematisch Menstruation und Frausein zu verknüpfen? Was für Ausschlüsse enstehen dabei?

Viele Frauen menstruieren nicht: seien es Transfrauen, Frauen, die nicht mehr menstruieren, die bestimmte Verhütungsmittel verwenden oder es gibt gesundheitliche Gründe dafür. Besteht hier die Gefahr, dass eine (biologistische) Verknüpfung von Frausein und Menstruieren (wieder)hergestellt und verfestigt wird?
Es gibt generell die Tendenz Menstruation und Frau-Sein zu verknüpfen, in der Gesamtgesellschaft genauso, wie in feministischen Diskursen. Da tauchen dann plötzlich wieder alte Bilder auf, welche die Frau mit, durch und wegen ihrer Periode, näher bei Natur und Magie verorten. Das ist also nicht nur ein Ausschließungsprozess, welcher von einer binären Geschlechterordnung ausgeht, sondern driftet auch schnell in die Esotherik ab. In Foren wird Schmerz mit Selbtshass verknüpft und es wird dazu angehalten sich selbst und den Blutfluss zu zelebrieren, dies ist nicht nur erwiesener Blödsinn, in dieser Logik verhaftet kommt man garnicht darauf das dieses Ritual indem Moment wo er identitätsstiftend verklärt wird, automatisch ausschließt.
Aber auch in der medialen Rezeption gerade, wird zweigeschlechtlich gedacht. Dabei gibt es im Netz genug Texte, Videos & Blogs die dem Wunsch eine Periode zu haben, bzw. auch diese nicht zu haben, mit praktischen Anleitungen und moralischem Support begegnet.

 

Menstruale Phase

Das Internet hat Bewegung in den öffentlichen Diskurs um die Fragen der Periode gebracht. Zyklus-Apps, Kunst aus Menstruationsblut und globale Debatten um die »Tampon Tax« verändern den Umgang mit der Monatsblutung radikal.
Aktionen wie „free bleeding“ machen digital sichtbar, was immer noch stark tabuisiert wird: Die Menstruation und der Umgang mit ihr. Das Hauptziel: Ein positives Körpergefühl gewinnen und propagieren. Hierfür gibt es mittlerweile ein großes Aufgebot im Netz. Es geht darum, sich mit seiner Periode positiv auseinanderzusetzen, den Alltag durch Zyklusapps zu optimieren und schlußendlich ein schönes Bild mit dem Blut auf Instagram zu posten.

Welche Vorstellungen von Körperlichkeit, Weiblichkeit und Privatheit gehen damit einher? Wie sinnstiftend oder identitär sind derlei Vorgänge? Was sagen feministische Theoretiker*innen dazu und ist diese Haltung noch aktuell? Wer blutet und wer will bluten? Welche (strukturellen) Forderungen leiten sich daraus ab? Welche rechtlichen, moralischen und gesellschaftlichen Grenzen haben die Konzepte? Und warum überhaupt noch bluten?

All diesen Fragen werde ich mich in nächster Zeit, nach und nach stellen unter dem Titel Menstruale Phase.